Sommerwerkstatt 2020

In der Sommerwerkstatt 2020 wurde das Thema „So bin ich eben“ gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. Dem Kernkonzept der
Sprachwerkstatt entsprechend, wurden verschiedene Aktivitäten und
Spiele konzipiert, um die Kinder einerseits in ihrer mehrsprachigen Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und andererseits sprachliche Lernprozesse, insbesondere in Deutsch als Zweitsprache, anzuregen. Im Fokus steht dabei das deutsche Lokalisierungssystem, das im Sinne des Focus-on-Form-Ansatz (vgl. Rotter 2015) im Rahmen bedeutungszentrierter Aktivitäten fokussiert werden.

Für das 2-wöchige Programm werden für die Kinder bedeutsame Aktivitäten unter gleichberechtigter Berücksichtigung (sozial)pädagogischer und zweitsprachendidaktischer Zielsetzungen erstellt. In diesem Jahr wurden erstmals 2 Gruppen angeboten, u.a. um den Familien bzw. den Kindern, die aufgrund des Lockdowns weniger Gelegenheiten hatten die deutsche Sprache zu gebrauchen, ein ansprechendes Angebot zu machen. Gruppe 1 war von 9:00 bis 12:00 im Mehrgenerationenhaus Waltendorf. Gruppe 2 fand sich von 14:00 bis 17:00 ein. Insgesamt nahmen 20 Kinder an der Lingusti-Sprachwerkstatt teil. Neu war auch die Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Steiermark. 6 Studierende unterstützten das Team und sammelten so außerschulische Praxiserfahrungen in der Arbeit mit mehrsprachigen Kindern. 

Experimentier-Tag: buntes Seifenblasenbild

Als Grundlage für die Programmgestaltung diente wie jedes Mal ein Bilderbuch, das mit den Kindern gelesen und durch verschiedenste Aktivitäten erarbeitet wurde. Zusätzlich wurden naturwissenschaftliche Experimente durchgeführt, um den Kindern auch explizit bildungssprachliche Formulierungen anzubieten. Als kreatives Projekt wurde dieses Jahr ein kleiner Koffer gebastelt, in den die Kinder einerseits Dinge aus der Zeit in der Sprachwerkstatt geben und andererseits auch Erinnerungsstücke von Zuhause mitbringen konnten. Erinnerungskoffer stellen eine wertvolle Methode aus dem Bereich der Biographiearbeit dar (vgl. Rappl 2018) und wurden genutzt, um eine Reflexion der eigenen Biographie mit Kindern anzuregen. Diese dienten immer wieder als Redeanlässe und erlaubten uns die Kinder besser kennenzulernen.  

Bastelaktivitäten wurden von den Kindern sehr gerne aufgegriffen und dienen in der Sprachwerkstatt dazu, die behandelten Themen phantasievoll zu verarbeiten und einen eigenen Ausdruck dafür zu finden. Die Pädagoginnen nutzen diese Phasen wiederum, um einerseits die Interessen und Talente der Kinder zu erfahren und andererseits in dialogischen Situationen individuell sprachliche Aushandlungsprozesse anzuregen.

Unser 2-wöchiges Projekt: der Zoo entsteht…

An Tag 3 der ersten Woche wurden Stationen aufgebaut, um Experimente durchzuführen. Die Kinder entdeckten dabei physikalische Gesetze auf spielerische Art und Weise. Im Fokus standen dabei zusätzlich Bewegungsereignisse und deren sprachliche Realisierung. Die Kinder konnten sich im anschließenden Kreisgespräch in längeren Redebeiträgen erproben und einzelne schafften es auch komplexe Beobachtungen mit Hilfe der Pädagoginnen zu formulieren. Als kreatives Highlight dieses Experimentier-Tages wurden bunte Bilder mit Seifenblasen geschaffen, die an der Wäscheleine aufgehängt und nach dem Trocknen zerschnitten und in die Erinnerungskoffer wanderten. So entstand in der Gruppe ein gemeinsames Werk, von dem jedes Kind ein kleines Stück mit nachhause nehmen konnten.

Die fertigen Ergebnisse: unser gemeinsames Werk!

Einen besonderen Stellenwert in der Sprachwerkstatt hatte auch diesen Sommer die gemeinsame Jause. Die Vorbereitung sowie das gemeinsame Essen werden genutzt, um die Kindern besser kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei werden wiederum gezielt Formen in den Fokus genommen und interaktiv sprachliche Lernprozesse angeregt. Durch die gezielte Kontextoptimierung (Motsch 2004) und den Einsatz einer sprachsensiblen Gesprächsführung können so zahlreiche Situationen geschaffen werden, in denen die Kinder den Wortschatz hören und verarbeiten können. Im Laufe der Zeit werden die Kinder zu mehr Sprachproduktion angeregt. 

die gemeinsame Jause

Auch dieses Jahr hatten die Kinder die Möglichkeit, das Thema des Bilderbuches in einem kleinen Theater zu verarbeiten. Das Einfinden in verschiedene Rollen kann im Spiel dazu führen, dass die Kinder sich in ihren sprachlichen Äußerungen sicher fühlen und zu mehr Sprachproduktion angeregt werden. Auch erlebnispädagogische Aktivitäten eignen sich hervorragend, um die Kinder zu motivieren. Durch die Ergänzung um einen sprachlichen Fokus auf das deutsche Lokalisierungsystem werden die Kinder im Rahmen der Lingusti-Sprachwerkstatt für diesen besonders großen Stolperstein (vgl. Bryant) sensibilisiert.

die selbst gebastelte Verkleidung für das Theaterstück

Ein gelungenes Beispiel für die Verbindung spielerischer Aktivität mit gleichzeitigem Sprachfokus stellt sicherlich das Chaosspiel dar. Dieses wurde in der Lingusti-Sprachwerkstatt zum Abschluss der zwei Wochen gespielt. Die Kinder wurden dazu in Gruppen eingeteilt. Zuvor wurden Kärtchen mit den Ziffern 1-80 auf dem gesamten Gelände verteilt. Auf diese wurden im Vorfeld Formulierungen geschrieben, welche den Kindern durch unseren sprachlichen Input vermehrt zur Verfügung gestellt wurden und sich in der Sprachwerkstatt als bedeutsam herausstellten.  

Ein Auftrag im Chaos-Spiel

Fazit: Es war eine große Freude mit den Kindern zu arbeiten und dabei ihre Ressourcen und Talente zu entdecken und auch für sie sichtbar(er) zu machen. Eigens erstellte Ressourcenkarten wurden den Familien zum Abschied überreicht und sollen die Familien darin bestärken, dass ihre Kinder viele Schätze – mindestens eine Sprache zusätzlich – in sich tragen.  

Lingusti Sommerwerkstatt 2019

In der Sommersprachwerkstatt 2019 wurde das Thema „Schätze entdecken“ gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. Dem Kernkonzept der Sprachwerkstatt entsprechend, wurden verschiedene Aktivitäten und Spiele konzipiert, um die Kinder einerseits in ihrer mehrsprachigen Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und andererseits sprachliche Lernprozesse, insbesondere in Deutsch als Zweitsprache, anzuregen. Im Fokus steht dabei das deutsche Lokalisierungssystem, das im Sinne des Focus-on-Form-Ansatz (vgl. Rotter 2015) im Rahmen bedeutungszentrierter Aktivitäten fokussiert werden. Für das 2-wöchige Programm werden für die Kinder bedeutsame Aktivitäten unter gleichberechtigter Berücksichtigung (sozial)pädagogischer und zweitsprachendidaktischer Zielsetzungen erstellt. In diesem Jahr nahmen 10 Kinder teil, einige davon mit Fluchterfahrung.

In diesem Jahr wurde ein eigenes SprachSchatz-Lied entwickelt, das täglich zu Beginn und zum Abschluss gesungen wurde.

In der ersten Woche wurde eine Schatzkiste gebastelt, in die im Laufe der Zeit von den Kindern als wertvoll erachtete Dinge gegeben wurden.

Die großen Schatzkisten werden präsentiert

Bastelaktivitäten wurden von den Kindern sehr gerne aufgegriffen und dienen in der Sprachwerkstatt dazu, die behandelten Themen phantasievoll zu verarbeiten und einen eigenen Ausdruck dafür zu finden. Die Pädagoginnen nutzen diese Phasen wiederum, um einerseits die Interessen und Talente der Kinder zu erfahren und andererseits in dialogischen Situationen individuell sprachliche Aushandlungsprozesse anzuregen.

gemeinsames Basteln der kleinen Schatzkiste

Einen besonderen Stellenwert in der Sprachwerkstatt hat die gemeinsame Jause. Die Vorbereitung sowie das gemeinsame Essen werden genutzt, um die Kindern besser kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei werden wiederum gezielt Formen in den Fokus genommen und interaktiv sprachliche Lernprozesse angeregt. Durch die gezielte Kontextoptimierung (Motsch 2004) und den Einsatz einer sprachsensiblen Gesprächsführung können so zahlreiche Situationen geschaffen werden, in denen die Kinder den Wortschatz hören und verarbeiten können. Im Laufe der Zeit werden die Kinder zu mehr Sprachproduktion angeregt.  

gemeinsame Geburtstagsjause

Die Mehrsprachigkeit der Kinder wurde immer wieder direkt oder indirekt sichtbar (gemacht). Die Kinder werden ermutigt, die Sprachen als Lernressource zu nutzen, den Wert der Sprachen zu erkennen und zu zeigen. Die Kinder bringen ihre Familiensprachen in spielerischen Aktivitäten oder bei der gemeinsamen Jause mit ein und werden von den Pädagoginnen als wertvoll anerkannt.

Das in der Sprachwerkstatt eingesetzte Bilderbuch, welches in der zweiten Woche mit den Kindern spielerisch erarbeitet wurde, diente ebenfalls zur Erarbeitung eines szenischen Spiels. Die Kinder zeigten sich sehr begeisterungsfähig und kreativ bei der Ausgestaltung der Szenen und ihrer Kostüme.

Die Aufführung

Die Protagonistin des Buches, eine mutige Schnecke, wurde auch Teil der Lebenswelt der Kinder. In der ersten Woche zogen vier Weinbergschnecken in die Sprachwerkstatt ein. Diese lebten in einem Terrarium und mussten täglich mit frischem Löwenzahn und Klee versorgt werden. Die Weinbergschnecken stellten die Grundlage zahlreicher Gesprächsanlässe, die zudem den Fokus auf Lokalisierungen in natürlichen Situationen ermöglichten.

Das Schneckenhaus

Neben dem szenischen Spiel wurden Handpuppen gebastelt, die die Kinder nutzen konnten, um die Geschichte nachzuerzählen. Das Einfinden in verschiedene Rollen kann im Spiel dazu führen, dass die Kinder sich in ihren sprachlichen Äußerungen sicher fühlen und zu mehr Sprachproduktion angeregt werden.

Auch erlebnispädagogische Aktivitäten eignen sich hervorragend, um die Kinder zu motivieren. Durch die Ergänzung um einen sprachlichen Fokus auf das deutsche Lokalisierungsystem werden die Kinder im Rahmen der Lingusti-Sprachwerkstatt für diesen besonders großen Stolperstein (vgl. Bryant) sensibilisiert. Ein gelungenes Beispiel für die Verbindung spielerischer Aktivität mit gleichzeitigem Sprachfokus stellt sicherlich das Chaosspiel dar. Dieses wurde in der Lingusti-Sprachwerkstatt zum Abschluss der zwei Wochen gespielt. Die Kinder wurden dazu in Gruppen eingeteilt. Zuvor wurden Kärtchen mit den Ziffern 1-80 auf dem gesamten Gelände verteilt. Auf diese wurden im Vorfeld Formulierungen geschrieben, welche den Kindern durch unseren sprachlichen Input vermehrt zur Verfügung gestellt wurden und sich in der Sprachwerkstatt als bedeutsam herausstellten. Beispiele dafür sind „die Schnecke kriecht am Rand entlang“ oder „das Bild hängt an der Wäscheleine“. Diese Kärtchen mussten von den Kindern aufgespürt und die Sätze vorgetragen werden. Erst danach erhielten die Kinder eine Aufgabe, die sie lösen mussten. Bei diesen Aufgaben handelte es sich um Aktivitäten wie beispielsweise: „Hüpfe auf einem Bein an den Rand der Terrasse“. Anhand der Beispiele wird deutlich, dass die Stolpersteine, die durch das deutsche Lokalisierungsystem entstehen, aufgegriffen werden. Durch den spielerischen Charakter des Spiels steht für die Kinder das Sprache lernen nicht im Vordergrund.

Fazit: Es war eine große Freude mit den Kindern zu arbeiten und dabei ihre Ressourcen und Talente zu entdecken und auch für sie sichtbar(er) zu machen. Eigens erstellte Ressourcenkarten wurden den Familien zum Abschied überreicht und sollen die Familien darin bestärken, dass ihre Kinder viele Schätze – mindestens eine Sprache zusätzlich – in sich tragen. 

Gefördert vom Land Steiermark

Team: Dr. Daniela Rotter  – Carina Hopp M.Ed. – Dr. Carla Carnevale – Anna Ebner 

Praktikum

Für die Projektphase 2 zwischen März und Dezember 2019 suchen wir 2 PraktikantInnen, die uns bei der Umsetzung des Konzeptes in 2 Grazer Kindergärten unterstützen.

Wir bieten:

  • Einblicke in ein innovatives wissenschaftlich fundiertes Konzept für den Bereich Deutsch als Zweitsprache im Elementarbereich
  • Individuelle Vorbereitung auf die eigene Arbeit in sprachlich heterogenen Gruppen
  • Professionelle Begleitung und angeleitete Reflexion durch die Projektleiterinnen
  • Mitarbeit bei der Planung verschiedener Aktivitäten
  • Mitarbeit bei der Erstellung der Materialien
  • Unterstützung bei der Umsetzung in der Praxis
  • Mitarbeit in der Konzeption und Durchführung von Fortbildungsworkshops

Voraussetzungen:

  • Pädagogisches Grundwissen
  • Interesse am Themenkomplex Migration und Integration, Deutsch als Zweitsprache
  • Offenheit und Interesse an anderen Sprachen und Kulturen
  • sprachwissenschaftliches Grundlagenwissen von Vorteil
  • Bereitschaft zur persönlichen Einarbeitung in das Konzept (Vorarbeit i.S. einer Auseinandersetzung mit dem Konzept, Reflexion/Austausch/Lektüre in Absprache mit den Projektleiterinnen, wobei dies unterstützt wird)
  • Interesse an wissenschaftlicher Arbeit und deren Umsetzung in der Praxis

Kontakt:

Dr.in Daniela Rotter

Telefon: 0660 357 3962

E-Mail: lingustini@gmx.at

www.sprachschatz.at